Im Zeichen der Ökumene war die evangelische Gemeinde Markus/Haigst am vergangenen Sonntag zu Gast in der Neuapostolischen Gemeinde Stuttgart-Süd
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Berufung der ersten Jünger aus dem Markusevangelium (Mk 1,16–18). „Jesus ist am See Genezareth auf Simon und Andreas zugegangen, obwohl er die Männer nicht kannte“, betonte Priester Markus Müller zu Beginn des Gottesdienstes. So wendet er sich auch heute den Menschen zu. Jesus wartete nicht ab, bis sie zu ihm kamen. Dieses Zugehen sei bis heute ein Auftrag an die Kirche. „Gehen wir zu den Menschen – nicht nur in unserer eigenen Welt, sondern auch über Grenzen hinweg“, lautete der Impuls.
In der Bibelstelle ist von „Menschenfischern“ die Rede. „‚Menschen fischen‘ erinnert heute vielleicht eher an Fishing-Mails, damit ist nichts Positives verbunden.“ Ein Blick in den Urtext zeigt jedoch eine tiefere Bedeutung. Das dort verwendete Wort für „fangen“ meine auch „wiederbeleben“ oder „zum Leben bringen“. Jesus wolle niemanden verführen oder gefangen nehmen, sondern Menschen neu ins Leben führen. Das geschehe nicht einzeln, sondern in Gemeinschaft: in der Gemeinde, in einem Netz der Verbundenheit.
Thilo Knapp, Pfarrer der Evangelischen Gemeinde, nahm in seinem Beitrag Bezug auf die Bibelstelle als grundlegendes Geschehen für die Kirche. Am Anfang von Jesu Wirken zeigen sich drei Säulen, die auch für uns heute noch wichtig sind: sehen, hören, folgen. Auffällig sei dabei auch der Ort des Geschehens: kein sakraler Raum, sondern der See, ein Ort der Arbeit und der Ökonomie. Das zeigt, dass Nachfolge nicht bedeute sich von der Welt abzuwenden, sondern sich innerhalb des Alltags neu zu orientieren.
Herausfordernd sei das Detail im letzten Satz der Bibelstelle: „Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.“ Die Netze stünden nicht nur für Arbeit, sondern auch für Kompetenz, Erfahrung und Sicherheiten – für das, was uns hält und bindet. Sie zurückzulassen heiße, ihre Bedeutung zu relativieren.
Mit Blick auf die Ökumene ergänzte Pfarrer Thilo Knapp: „Christen kommen aus unterschiedlichen „Booten“, mit verschiedenen „Netzen“ und Traditionen. Doch sie hören dieselbe Stimme.“ Es gehe nicht um Gleichförmigkeit, sondern um Gemeinsamkeit. Die Frage an die Gemeinde lautete daher: „Was müssen wir um der Gemeinschaft willen vielleicht auch einmal relativieren – vielleicht sogar unsere liebgewonnenen Konventionen?“
Priester Manuel Waiblinger griff in seinem Imuls das Lied des Chores auf:
Näher mein Gott zu dir. „Möge es für uns so so sein wie es für die beiden Männer am See gewesen sein muss. Dass es unser Leben größer und heller macht, Jesus nachzufolgen.“
Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von Orgel und einem gemeinsamen Chor der beiden Gemeinden unter der Leitung von Kantor Lukas Nagel und Björn Sickler. Im anschließenden Kirchencafé war viel Raum für Kennenlernen, Austausch und Begegnung.