Festgottesdienst zum Jubiläum am 9. Oktober 2022 (9.10.2022) 90 Jahre sind seit dem ersten Gottesdienst in Rutesheim vergangen, bei welchem am 2. Oktober 1932 der Grundstein für die Neuapostolische Kirche in Rutesheim gelegt worden war. Gleiches gilt für die ursprünglich eigenständige Kirchengemeinde Perouse (erster Gottesdienst dort am 3. Juli 1932), welche Anfang 2011 mit Rutesheim zusammengeführt wurde.
Anlass genug für einen Festgottesdienst, den Evangelist Thomas Dittus (Leiter des Kirchenbezirkes Stuttgart/Leonberg) an diesem herbstlichen Sonntag in Rutesheim durchführte. Zu Beginn begrüßte er den Ersten Beigeordneten Martin Killinger als Vertreter der Stadt Rutesheim, sowie einige der früheren Vorsteher beider Gemeinden, die heute anwesend sein konnten. Bei seinen Segenswünschen zu diesem besonderen Jubiläum betonte er, dass Segen das sei, was uns Gott näher bringt. Er wies auch darauf hin, dass Gott für jeden von uns einen Weg vorgesehen habe, und es unsere Aufgabe sei, diesen zu erkennen.
Als Predigtgrundlage diente das Wort aus Matthäus 6; 11: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Dieses Bibelwort sei ein Bestandteil aus dem Gebet „Unser Vater“, das Jesus Christus einst seine Jünger lehrte, noch heute in jedem unserer Gottesdienste gemeinsam gebetet würde und auch die Christenheit miteinander verbinde. In diesem Gebet sei alles enthalten, was für uns Menschen wichtig wäre, auch in Verbindung zu seinem Vater. Vieles sei für uns in Mitteleuropa bisher so selbstverständlich gewesen, dass sich manche fragten, was Gott denn damit zu tun hätte. Sie verkannten, dass dies göttliche Geschenke sind, auf die wir keinen Anspruch hätten. Unsere Bitten um das Irdische sollten nicht größer sein als unsere Bitten um das Ewige. Das Wiederkommen Jesu sei unsere innere Überzeugung.
Der frühere Vorsteher, Hirte Manfred Guggolz (1993 – 2008), zeigte auf, dass die Gnade Gottes die Gemeinde über 90 Jahre nicht verlassen habe. Die Menschen, die auf diese Zeitspanne zurückblicken könnten – drei über 90 Jahre alte Kirchenmitglieder waren zugegen -, wüssten, dass nicht alles nur Honig schlecken gewesen wäre. Im Vertrauen, Gott immer näher zu kommen, sei unsere Bitte jedoch „Dein Wille geschehe“. Sein Rat war, die Dankbarkeit auch auf die Zukunft zu beziehen, mit Mut in die Zukunft zu sehen, auch im Vertrauen darauf, dass die Gemeinschaft hält.
Hirte Gert Haug (2008 – 2011) bezog sich auf das gerade verklungene Chorlied „Gut, dass wir einander haben“ und blickte auf das gemeinsam Erlebte zurück, so auch auf ein mehrtägiges Zusammensein in Erpfingen im Zusammenhang mit dem 75-jährigen Kirchenjubiläum und auf die erfolgreiche Zusammenführung der beiden Gemeinden Perouse und Rutesheim. Es gäbe unterschiedliche Gründe, warum wir in die Gottesdienste kämen, für Gott den einen, nämlich, dass er uns sein Reich geben wolle, ein Reich für alle.
Der derzeitige Vorsteher, Evangelist Markus Pflüger (seit 2016), machte darauf aufmerksam, dass auch in der Formulierung „Unser tägliches Brot gib uns heute“ der Gemeinschaftsgedanke stecken würde; es sei Bitte und Fürbitte. Gemeint sei nicht nur das irdische Brot als Nahrung für den Körper, sondern auch die Speise für Seele und Geist.
In der Vorbereitung zur Sündenvergebung und dem Heiligen Abendmahl erwähnte Evangelist Dittus, dass es damals bei einigen Anstoß erregt hätte und sie sich entfernt hätten, als Jesu sagte: „Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm (Johannes 6; 56). Wir müssten nicht verstehen, warum Gott dies so eingerichtet habe, aber glauben, um ein Teil von ihm sein zu können. Es habe Dimensionen in die Zukunft hinein und darum feiern wir das Abendmahl bis der Herr wiederkomme.
Am Ende des vom gemischten Gemeindechor, sowie Klavier und Orgel musikalisch eingerahmten Gottesdienstes sang die ganze Festgemeinde zusammen das Lied „Singt ein Lied von Gott“, in welchem zum Ausdruck kommt: „Gott ist da, Gott ist da, er ist unbegreiflich nah.“
Anschließend gab Evangelist Pflüger noch einen Einblick in die Chronik und dankte allen für die Unterstützung und den Zusammenhalt. Rutesheim sei eine Gemeinde, die mitten im Leben stehe, offen und glaubensstark sei und auch bei erforderlichen Veränderungen wie zum Beispiel in der Coronaphase pro aktiv mitwirken würde. Auch freue er sich über das Miteinander in der Ökumene. 2009 habe sich die Neuapostolische Kirche Rutesheim im ökumenischen Arbeitskreis vorgestellt und sei dort seit drei Jahren fester Bestandteil. In 2022 habe man erstmals auch aktiv in den beiden ökumenischen Gottesdiensten, die auch von der Stadt Rutesheim sehr gefördert werden würden, mitgewirkt. Auch dafür richtete er seinen Dank an Herrn Killinger und überbrachte schließlich auch die Grüße der anderen Geistlichen. Nun gälte es, in der Kirchengemeinde weiterhin aktiv zusammenzuarbeiten, damit wir in 10 Jahren auch unser 100-jähriges Jubiläum gemeinsam feiern können, es sei denn, der Herr käme zuvor.
Herr Killinger überbrachte die Grüße der Stadt Rutesheim, auch nochmals im Namen der Bürgermeisterin Susanne Widmaier, die am Vorabend bei der „Musikalischen Auszeit“ zugegen war und bereits eine Zuwendung der Stadt überreicht habe. 90 Jahre seien ein biblisches Alter und wahrhaft Grund zum Feiern. Auch die Neuapostolische Kirche trage zu einem guten Miteinander in der Stadt bei und fördere hierdurch wesentlich die Grundwerte. Das vertrauens- und respektvolle Miteinander habe man auch Ende September beim Grenzwegfest an der Eisengriffhütte verspüren dürfen. Er wünschte der Kirchengemeinde ein „herzliches Glückauf“, Segen und Freude auf viele weitere Begegnungen.
Zum Ausklang der Festlichkeiten gab es noch ein freudiges Miteinander bei neuem Wein, deftigen Kuchen, aber auch Kaffee und anderen Leckereien.
hg