Nach einem erfüllten und bewegten Leben verstarb Priester i.R. Ewald Kienle am 1. Februar 2021 in Heimerdingen. Er erblickte am 21. Dezember 1928 in Nußdorf bei Ludwigsburg das Licht der Welt. Sein großes Interesse galt der Technik.
Bei Messerschmidt begann er eine Lehre, die er allerdings kriegsbedingt nicht abschließen konnte. Nach dem Krieg machte er eine Ausbildung als Elektroinstallateur. In seiner Freizeit reparierte er Radios und bekam so Kontakt zu verschiedenen Unternehmen, wo er seine Kenntnisse ständig erweiterte. Schließlich führte ihn sein Weg in eine Orgelbaufirma in Heimerdingen. Hier legte er den Grundstein zu seiner Selbständigkeit.
Zunächst reparierte und wartete er die Orgeln der amerikanischen Armee. Damit bekam er immer mehr den Blick und Ideen für Verbesserungen. Schließlich begann er, selbst elektronische Orgeln zu bauen und konnte hierin seine erdachten Optimierungen erfolgreich umsetzen. Für die Erfindung der Resonatoren, welche die Klangabstrahlung der Lautsprecher in den Raum deutlich verbesserten, erwarb er einige Patente.
Ewald Kienle stellte mehr als 3000 Orgeln in Europa, Südafrika, Peru und Russland auf. Viele davon auch in Gotteshäusern der Neuapostolischen Kirche. Im Jahr 1985 erhielt das Europäische Parlament in Straßburg die europaweit erste digitale Kirchenorgel mit Kienle „Klangabstrahlung“. 2010 wurde in Georgien die größte Orgel dieser Art im Konzertsaal des Tbilis Centre in Tiflis aufgestellt. Auch über seinen Ruhestand hinaus konnte er von den Orgeln nicht lassen und reparierte sie gern gefälligkeitshalber bis ins Jahr 2020.
Ebenso wie der Orgelbau bestimmte auch der Glaube sein Leben. Ab 1953 diente er als Seelsorger in der Neuapostolischen Kirche und wirkte von 1958 bis 1994 als Gemeindevorsteher in Heimerdingen, davon etliche Jahre zusätzlich in Weissach.
Dies alles war ihm nur mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Ehegattin Magda, die er im Jahr 1955 heiratete, möglich. Trotz vieler Schicksalsschläge ließ sich Ewald Kienle nie entmutigen. 2006 musste er den Tod seines Sohnes Roland verkraften. Im Jahr 2015 feierten die Eheleute noch diamantene Hochzeit. Nachdem 2018 seine Ehefrau heimging, zog sein jüngster Sohn Thomas zu ihm.
In seinen Instrumenten wird er in vielen Kirchen weiterleben. Die ihn kannten und schätzten werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. (PB)