(09.02.2023) Mit einem festlichen Gottesdienst startete die Gemeinde Gerlingen ins Jubiläumsjahr. Eingeladen waren neben der Kooperationsgemeinde Ditzingen – die ebenfalls in diesem Jahr ihr 100 Jahre Gemeindejubiläum feiert – auch ehemalige Gemeindemitglieder, Vertreter weiterer Gerlinger Kirchen und der Stadt Gerlingen sowie Nachbarn und Freunde.
Mit ca. 180 Gottesdienstbesuchern war die Kirche gut gefüllt. Chor, Organist und Fagottisten hatten ein ansprechendes musikalisches Programm vorbereitet. Apostel Jürgen Loy ging zu Beginn des Gottesdienstes zunächst auf die Geschichte der Gemeinde ein. Er hob hervor, dass die Gründung der Gemeinde auf drei Frauen zurückging, die den neuapostolischen Glauben in Gerlingen verbreiteten. Gleichwohl fand in den Jahren danach gemäß Tradition ausschließlich die Ordination von Männern in Ämter statt. Apostel Loy bezog sich dann auf die aktuelle Situation, und freute sich, dass die Kirche nun, genau 100 Jahre später, so weit sei, dass es einen weltweiten Beschluss zur Ordination von Frauen in alle Ämter gebe.
Als Predigtgrundlage diente Epheser 4, 3 und 4: „Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung.“
Apostel Loy führte aus, dass es nach biblischem Bericht in der Gemeinde Ephesus viele Strömungen gab und Paulus Sorge um eine „Verwässerung“ des Glaubens der Gemeinde hatte. Sein Gruß im Brief enthielt deshalb auch den Hinweis: Jesus Christus ist das Haupt der Gemeinde und die Einheit gründet auf ihn. Apostel Loy bezeichnete diese Hinweise als aktuell und zukunftsweisend. Er sagte, das Band des Friedens solle die Gemeinde, in der alle aufeinander angewiesen seien und gemeinsam wirken, zusammenhalten. Durch den Heiligen Geist sei es möglich, einander zu verstehen und gemeinsam mit Blick auf Jesu Auferstehung an der Hoffnung auf die eigene Auferstehung festzuhalten.
Bischof Paul Stefan Hepp aus Schwabmünchen war als ehemaliger Gerlinger auch zum Fest gekommen. In seinem Predigtbeitrag erwähnte er das Gebet einer 100-jährigen Glaubensschwester „Lass mich keine Sekunde von Jesus Christus entfernt sein“ als gutes Rezept. Er zeigte, dass Störungen im Glauben, heute wie zu Paulus' Zeiten, normal seien. Christsein bedeute nicht, von der Zuschauertribüne aus zu kommentieren und zu bewerten. Christsein sei vielmehr eine Aufgabe für aktives, eigenes Tun. Entstandene Fehler sollten mit dem zarten Band des Friedens eingebunden werden, damit Christus in allen Gläubigen erlebbar werde.
Nach der gemeinsamen Feier der Heiligen Abendmahls beendete der Chor den Gottesdienst mit dem Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Felix Mendelssohn Bartholdy.
Anschließend begrüßte der Gemeindevorsteher Harald Schwarz die Festgäste aus den Gerlinger Kirchen und der Stadt Gerlingen nochmals namentlich und moderierte die Grußworte.
Pfarrerin Schneider-Wagner von der evangelischen Petrus- und Lukaskirche beleuchtete in ihrem Grußwort die Bedeutung der Zahl 100 in der Bibel. Bei der Speisung der 5000 würden Gruppen von 100 erwähnt, in der Stiftshütte werde die Zahl genannt, im Gleichnis vom verlorenen Schaf seien es 99 und eines fehle. Und auch die 100-fache Frucht werde als die vollkommene Fülle bezeichnet. Pfarrerin Schneider-Wagner wünschte, dass es mit dieser positiven Energie gelinge, auch die sich bietenden Chancen im örtlichen ACK auszubauen und sich auf künftige gemeinsame Aktivitäten zu freuen. Sie lobte den Chor- und Gemeindegesang des Abends und überreichte als Geschenk zwei neue Liederbücher der evangelischen Kirche, um neue Lieder zu entdecken und „auszuprobieren“.
Herr Stefan Altenberger, erster Beigeordneter der Stadt Gerlingen, überbrachte Grüße des aus Termingründen verhinderten Bürgermeisters. Er betonte, es sei schön, in einer solchen Gemeinde mit allen Altersgruppen und stimmkräftigem Chor integriert zu sein. Weiter führte er mit Blick auf die Krisen in der Welt in den vergangenen 100 Jahren aus, man habe heute hier allen Grund, dankbar für das Wohlergehen zu sein. Er betonte, bei der Stadtverwaltung genieße man die gute Zusammenarbeit mit den Kirchen am Ort und dankte der Gemeinde für die Unterstützung beim Zusammenwachsen der Menschen in der Stadt Gerlingen, im Arbeitskreis Asyl und in den Tafelläden. Als Geschenk überreichte er im Namen der Stadt Gerlingen einen Scheck über EUR 1.000,--.
Bei Sektempfang und Häppchenbuffet, betreut von der Jugendgruppe der Gemeinde, klang der Abend mit vielen Gesprächen und Begegnungen aus. Es war nach Mitternacht, als die Lichter in der Kirche erloschen. (MS/SR)
Fotos: FW/TS